Faszination fleischfressende Planzen

Kannenpflanze

Kannenpflanze

Bodenkanne einer Kannenpflanze

Kannenpflanzen, die den wissenschaftlichen Namen Nepenthes tragen, sind unter den fleischfressenden Pflanzen, den sogenannten Karnivoren, eine echte Besonderheit. Diese Besonderheit betrifft in erster Linie ihre Größe, denn anders als die meisten fleischfressenden Pflanzen, die eher klein und zierlich bleiben, erreicht die Kannenpflanze mitunter eine enorme Größe. Eine weitere Auffälligkeit ist, dass alle Pflanzen fruchtbar untereinander gekreuzt werden können, da sie eine konstante Chromosomenanzahl besitzen.

Deshalb ist es zwar interessant, jedoch wenig verwunderlich, dass es bereits mehrere hundert Arten von Kannenpflanzen gibt und dennoch beständig neue entdeckt werden. Die Kannenpflanzen sind dabei allesamt tropisch und gehören zu den fleischfressenden Pflanzen, eine Ausnahme gibt es bei dieser Art demnach nicht, auch keinen Ausläufer oder genetischen Sonderling.

Weil die Kannenpflanzen so interessant sind und unter den fleischfressenden Pflanzen ebenfalls stark herausragen, möchten wir sie euch hier unbedingt ein wenig genauer vorstellen und euch aufzeigen, wie die Pflanze als Zimmerpflanze kultiviert, gepflegt und angepflanzt werden kann.

Allgemeines zur Kannenpflanzen

Kannenpflanzen stammen aus tropischen Gebieten und wachsen dort meist bei extremen Temperaturen und teils enormen Höhen. Das wiederum bedeutet, dass sie in der Regel nichts für die Fensterbank sind, sondern eher im Gewächshaus oder Terrarium gehalten werden sollten. Dies ist auch deshalb notwendig, weil die meisten Kannenpflanzen zwischen 24 und 32 Grad Temperatur benötigen, um sich so richtig wohlzufühlen. Auch nachts darf die Temperatur in der Regel nicht unter 15 Grad sinken, was die Haltung in Deutschland eben immer etwas schwierig werden lässt. Möglich ist sie aber durchaus.

Für Kannenpflanzen haben sich allgemein Gewächshäuser oder Terrarien etabliert.

  1. Ersteres kommt infrage, wenn ihr Hobbygärtner seid und gerne ein paar exotische Pflanzen in eurem Gewächshaus züchten wollt.
  2. Letzteres kommt infrage, wenn ihr die Kannenpflanzen gerne im Zimmer halten würdet, wo logischerweise in der Regel keine 30 Grad herrschen, weshalb ein Terrarium mit Heizung und Lampe dafür sorgt, dass die Kannenpflanze wächst und gedeiht.

Unterschieden wird außerdem noch zwischen Hoch-Land- und Tief-Land-Arten. Dabei gibt es unzählige Kreuzungen, die deutlich robuster gezüchtet wurden und dementsprechend meist auch im Handel verkauft werden. Diese sind dann nicht ganz so anspruchsvoll, was das Klima angeht, lassen sich also deutlich einfacher kultivieren. Wilde Exemplare hingegen sind nur selten zu bekommen und stellen auch deutlich höhere Ansprüche. Sie sind eher für Profis geeignet, die eben ganz bewusst keine Kreuzungen möchten und sich mit der Kannenpflanze als solches bereits ausgiebig auseinandergesetzt haben.

Aussehen und Wachstum

Nepenthes mit Hochkannen

Nepenthes mit Hochkannen

Die Kannenpflanze unterscheidet sich in ihrem Aussehen zum Teil sehr stark voneinander, da es viele verschiedene Arten von ihr gibt und sich die Pflanze auch immer an ihre direkte Umgebung anpasst. So gibt es Kannenpflanzen, die über schüsselähnliche Kannen zum Fangen von Insekten verfügen, während andere eher lange Röhren bilden, die an den Ausläufern herunterhängen.

Hier wird deshalb zwischen Bodenkannen und Hochkannen unterschieden. Die einen besitzen also eher eine große »Schüssel« als Kanne und breiten sich wie ein Busch am Boden aus. Die anderen hingegen verfügen über eine lange Röhre, mit einem Wachstum fast wie Lianen, wobei sie sich auch an anderen Pflanzen verankern und sich stabil in die vorhandene Vegetation einnisten.

Nepenthes mit Bodenkanne

Der Deckel schützt vor Regen

Die einzelnen Kannen, die zum Teil über ein Liter Fassungsvermögen aufweisen, sind mit einem kleinen Deckel geschützt. Dieser schließt sich aber nicht, um das Insekt im Inneren einzusperren, wie viele immer denken und wie es auch durchaus logisch wäre, sondern er verhindert vielmehr, dass Wasser in die Kanne gelangt und die dort enthaltene Verdauungsflüssigkeit mit den Enzymen verdünnt. Auch wird durch den Deckel verhindert, dass Regen die Kanne füllt und gefangene Insekten einfach herausspült.

Recht große Kanne einer Karnivore

Schön gemusterte Falle

Als immergrünes Gewächs ist die Kannenpflanze, je nach Art und Umgebung, sehr ausdauernd und robust, erscheint als Halbstrauch oder Liane. Die Kannen können in der Natur eine Größe von bis zu fünfzig Zentimeter erreichen, bleiben in der Haltung als Zimmerpflanze aber meist deutlich darunter. Gleiches gilt für den Stängel der Blüte, der, ebenso wie bei der Venusfliegenfalle, weit über die Pflanze hinauswächst und dann fast einen Meter in die Höhe ragt.

So robust und stark die Pflanze allerdings auch sein kann, so passiv funktioniert ihr Fangmechanismus und so weicher und drahtiger, oft auch blättrig, erscheint ihr Äußeres. Auf die einzelnen Details gehen wir im Folgenden noch ein wenig genauer ein.

Pflege einer Kannenpflanze

In diesem Abschnitt möchten wir ein wenig auf die Pflege der Kannenpflanze eingehen. Da diese, wie so oft bei fleischfressenden Pflanzen, ein wenig komplizierter ausfällt, ist es besonders wichtig, vor dem Kauf darüber Bescheid zu wissen. Damit ihr euch umfassend informieren könnt und nichts falsch macht, haben wir hier alle wichtigen Infos und Details für euch parat, die euch bei der Pflege der Kannenpflanze helfen werden.

Weil die Kannenpflanze außerdem ein paar recht spezielle Ansprüche hat, ist sie keineswegs für Anfänger geeignet. Sie zu kultivieren, bedeutet immer auch sie zu pflegen und vor allem für die richtigen Umgebungstemperaturen zu sorgen. Wie das geht, erfahrt ihr hier und jetzt.

Den richtigen Standort wählen

Je nach Art benötigt die Kannenpflanze dauerhaft eine Luftfeuchtigkeit von über 60 Prozent. Das ist nur im Terrarium oder im Gewächshaus zu erreichen. Ebenso verhält es sich mit der Temperatur, denn Kannenpflanzen fühlen sich besonders zwischen 20 und 30 Grad wohl, wobei die Temperatur keinesfalls zu stark schwanken sollten. Die Kannenpflanze muss daher konstant warm und feucht gehalten werden, ohne dass das Klima sich dabei zu stark verändert oder gar wechselhaft ausfällt. Eine Winterruhe, wie die Venusfliegenfalle, kennt die Kannenpflanze somit auch nicht.

Wird nicht auf die besonderen Bedürfnisse der Kannenpflanze geachtet, kann sie blitzschnell eingehen oder recht schnell verwelken. Im besten Fall wächst sie einfach nicht ordentlich, bildet keine oder nur winzige Kannen, blüht nicht und macht dann allgemein keine große Freude. Sie zeigt also oft an, wenn es ihr nicht gut geht. Die Kannenpflanze gehört demnach in ein Gewächshaus oder Terrarium, selbst wenn sie oftmals als Zimmerpflanze verkauft wird.

Sonne mögen die Pflanzen zwar sehr gerne, doch schnell führt zu viel Sonne, vor allem nach dem Winter, auch zu einer Art von Sonnenbrand, an dem die Pflanzen ebenfalls schnell eingehen. Auch wenn der Boden zu feucht wird, können die Wurzeln Schaden nehmen. Doch schauen wir uns Wurzeln und Wachstum lieber noch einmal genauer an, denn auch dort gibt es einiges zu beachten.